Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei

Zu dieser Überzeugung sind auch Nicole und Marcel gekommen und haben sechseinhalb Jahre nach dem Kennenlernen ihre Liebe mit der Eheschließung besiegelt. Die Hochzeit wurde in Vechelde, dem Heimatort der Braut, gefeiert. Am Freitag, dem 16. Mai 2014, wurde die Ehe im Standesamt von Vechelde geschlossen und am nächsten Tag, dem Samstag, erhielten die frischgebackenen Eheleute den Segen Gottes zum Ehestand in der neuapostolischen Kirche in Vechelde.

Die Segenshandlung wurde umrahmt von traditionellen Hochzeitsbräuchen. Dazu gehörten Brautjungfern, aber auch, dass der Bräutigam gemeinsam mit dem Seelsorger und Gemeindevorsteher, Priester Petri, vor dem Altar auf die Braut wartete. Diese wurde von ihrem Vater in die Kirche geleitet und am Altar dem Bräutigam übergeben.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Gemeindevorsteher folgte die Lesung „Irischer Segenswunsch“:

In eurer Ehe möge es keinen Tag geben, an dem ihr sagen müsst:
damals haben wir uns geliebt, heute ist die Liebe gestorben.
Keinen Tag, an dem ihr sagt: Wir haben keine Freunde, die uns verstehen,
die mit uns
sprechen, die uns zuhören, die uns helfen, die mit uns leiden, die sich mit uns freuen.
Keinen Tag an dem ihr sagt: Ich bin allein, du bist mir fremd!

Ihr möget einander Gutes tun, einander trösten und verzeihen.
Eure Liebe bleibe phantasievoll und lebendig und eure Sehnsüchte mögen sich erfüllen.
Die Tür eurer Wohnung möge offen sein für Menschen, die euch wichtig sind und
denen ihr wichtig seid, d
ie Rat geben und denen ihr raten könnt.

Eure Ehe bleibe spannend und ihr möget alle Spannungen aushalten.
Eure Ehe bleibe glücklich, indem ihr eurer Treue traut,
euch in der Treue Gottes aufgehoben wisst.
Dann wird für euch und für andere
eure Ehe ein Zeichen der Hoffnung und des Mutes.

Gottes Liebe möge in eurer Liebe greifbar und spürbar werden,
denn Gott will in uns sichtbar werden.

Danach sang die Gemeinde das Eingangslied „Zwei Hände wollen heute sich“ (GB 317) und das Gebet des Gemeindevorstehers schloss sich an. Als Bibelwort zur Trauung verlas er Ruth 1, 16:

„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“

Nach dem von der Gemeinde gesungenen Lied GB 219, Vers 2 und 5 legte Priester Petri das Trauwort einprägsam aus. Was bringt mich eigentlich dazu, solche Worte zu einer anderen Person zu sprechen, wie das in diesem Text geschieht? Eine Folge der Liebe! Es spricht eben von großer Liebe, wenn zwei Menschen in freiwilliger Bindung gemeinsam den Weg durchs Leben gehen wollen, wenn man einem geliebten Menschen folgt in ein unbekanntes Land, in eine unbekannte Zukunft. Dabei zitierte der Vorsteher den großen Theologen Dietrich Bonhoeffer:

„Die Liebe will nichts von andern sondern alles für den anderen. Sie will von ihrem Wesen her nichts für sich. Und das ist doch das christliche Verständnis von Liebe: Dass die Liebe nämlich eine Zuwendung an ein Gegenüber ist, die von Herzen um des Gegenübers Willen geschieht.“

In der Ansprache an das Brautpaar betonte Priester Petri aber auch, dass die jungen Eheleute bei aller Größe der Liebe auf Kleinigkeiten im Alltag achten sollten: Das aufeinander Warten am Feierabend, das gemeinsame Gespräch, die Bedürfnisse des Anderen wahrnehmen.

Bevor das Brautpaar an den Altar trat, sang die Gemeinde aus dem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ (GB 221, Vers 1 und 2). Per Bildprojektion machte der Vorsteher in seiner sehr persönlichen Ansprache deutlich „Ich wünsche euch das Talent eines Kindes, unter ganz alltäglichen Dingen Kostbarkeiten zu entdecken“. Nach dem Eheversprechen und der Segensspendung sowie einem ganz persönlichen Liebesversprechen des Paares sang die Gemeinde das Lied „Ich brauch dich allezeit“ (GB 199). Der Traugottesdienst endete mit Schlussgebet und dem Lied „Nun danket alle Gott“ (GB 256).

H.G.